Weshalb die Nutzung der »Corona-App« ein Fehler ist

1. Die »App« verlangt, dass Bluetooth eingeschaltet bleibt.

Da brauchen wir nicht erst »Corona« – Dazu kann man schon lange vielfältige Informationen finden – vor allem sehr gute Ratschläge, wie man mit Bluetooth umgehen sollte:

Aktualisieren Sie das Betriebssystem des Smartphones, Tablets und des Bluetooth-fähigen Notebooks sowie anderer Bluetooth-fähiger Endgeräte in regelmäßigen Abständen. Viele Angriffe nutzen Schwachstellen in den Systemen aus.

Denken Sie daran, dass Bluetooth im Internet of Things (IoT) eine wichtige Rolle für die Gerätekommunikation spielt, viele IoT-Geräte aber keine Patches erhalten.

Deaktivieren Sie die Bluetooth-Schnittstelle immer nach Gebrauch.

Führen Sie kein Pairing mit unbekannten Geräten durch.

Vermeiden Sie Pairing in öffentlichen Bereichen.

Schalten Sie bei Bluetooth-Aktivierung in den unsichtbaren Modus. Dies geht abhängig vom Betriebssystem unter den Bluetooth-Einstellungen. Bei Windows 10 zum Beispiel unter Einstellungen – Geräte – Weitere Bluetooth-Optionen – Suche – „Bluetooth-Geräte können den Namen dieses PCs anzeigen“ deaktivieren.

Stimmen Sie keiner Datenübertragung aus unbekannter Quelle zu.

Quelle: https://www.datenschutz-praxis.de/fachartikel/bluetooth-angreifer-aussperren/

Gegen all diese Empfehlungen verstößt die »Corona-App«.

Wenn man auf Datenschutz Wert legt:
Ende der Geschichte – »die App« ist tot.

Leider nein.
Sehr viele Menschen ignorieren solche Ratschläge.
Wir brauchen also mehr Argumente.

2. »Die App« verlangt Zugriff auf die »Standortbestimmung«

Auf den ersten Blick völlig logisch, denn es muss ja im Zweifel auch korrektestmöglich bestimmt werden können, wie weit zwei Teilnehmer entfert sind/waren.

»Doch nicht nur Bluetooth sondern auch der Standortzugriff müssen an meinem Smartphone aktiviert sein. Unter Android braucht die Corona-Warn-App aus technischen Gründen den Standortzugriff. Die Standort-Funktion nutzt immer mehrere Quellen nutzt, um den Standort des Nutzers zu orten: WLAN, das Mobilfunknetz und bei Bedarf GPS. Ohne den Standort funktioniert auch das Tracing, also die Rückverfolgung der Kontakte, nicht, da keine anderen Bluetooth-Geräte erkannt werden, mit denen anonyme Bluetooth-Zufallskennungen ausgetauscht werden können.
Dass es nicht ohne den eingeschalteten „Standort“-Schalter geht, hat laut Google Datenschutzgründe. Denn auch die Bluetooth-Technologie könne in Kombination mit bestimmten Apps potenziell dazu genutzt werden, ungefähre Standorte von Smartphone-Nutzern zu ermitteln, heißt es von Google. Man wolle – für entsprechende Android-Apps allgemein, nicht speziell für die deutsche Corona-Warn-App – sicherstellen, dass Nutzer die Kontrolle darüber behalten, wann ihr Standort einsehbar oder ermittelbar sein könnte.
Das Robert-Koch-Institut kommentierte Nutzerrezensionen im Play Store dazu folgendermaßen: „GPS wird nicht verwendet. Sie müssen allerdings die Standortdienste in Android aktiviert haben. Standortdienste umfassen in Android GPS und Bluetooth. Die App nutzt ausschließlich Bluetooth.“ Auch in den Datenschutzhinweisen gibt es eine Anmerkung dazu: „Für Benachrichtigungen zu möglicher Begegnung mit Covid-19-Infizierten wird der Gerätestandort jedoch nicht genutzt.“«

Quelle: https://www.morgenpost.de/vermischtes/article229323670/Corona-Warn-App-Test-Die-Schwaechen-und-Staerken-der-Anwendung.html

Leider bekommen damit alle anderen »Apps« für gleichartige Begehrlichkeiten ebenfalls Zugriff auf »Standortbestimmung« – es sei denn, der/die Teilnehmer/in sperrt aktiv für jede einzelne »App« die »Standortbestimmung« und prüft das auch zuverlässig neu nach jedem Update der entsprechenden »App« oder des Betriebssystems…

Das dürfte zumindest… ähm… unwahrscheinlich sein.

3. Freiwilligkeit?

Dazu zitiere ich einfach nur:

»Aber gehen wir im folgenden Gedankenexperiment einmal davon aus, dass die derzeitige Verunsicherung in der Bevölkerung tatsächlich dazu führt, dass sich „annähernd 100 Prozent der Bevölkerung“ die App laden, wie Finanzminister Scholz erwartet. Bereits solche „Erwartungen“ lösen einen Druck auf die Bevölkerung aus, der jeder Freiwilligkeit entgegenwirkt. Zumal der Subtext ebenfalls klar vernehmbar ist: Lockerungen der Ausgangs- und Kontaktbeschränkungen werden mit der Mitwirkungsbereitschaft der Bürger beim Selbsttracking in Verbindung gebracht. Wenn das mit der Freiwilligkeit nicht klappt, soll also wieder zu staatlichen Zwangsmaßnahmen übergegangen werden. Gerade in der aktuellen Lage sieht Freiwilligkeit anders aus.
Wenn zudem offensichtlich überhöhte Erwartungen („annähernd 100 Prozent Nutzer“) geschürt werden, drängt sich der Eindruck auf, hier wird eine Freiwilligkeitsdebatte geführt, deren Ende schon festzustehen scheint. „100 Prozent der Bevölkerung“ verfügen keineswegs über ein App-fähiges Mobiltelefon, gerade bei den Risikogruppen fehlt es daran bei weit über einem Drittel.
Wie sollen solche Erwartungen in die Nutzungsbereitschaft je erfüllt werden? Oder denke man bereits über Maßnahmen nach, die „Freiwilligkeit“ der Teilnahme am App-Tracking zu „fördern“: Wir haben die Bilder aus Wuhan, Singapur und Hongkong vor Augen, wo vor der Benutzung von öffentlichen Verkehrsmitteln oder dem Supermarkteinkauf kontrolliert wurde, ob die App bei den Bürgern auch tatsächlich im Einsatz war – spätestens hier endet jede Freiwilligkeit.«

Quelle: https://netzpolitik.org/2020/warum-freiwilliges-handy-tracking-nicht-funktioniert/

4. Faschismus

»Faschismus bedeutet, dass man eine Ideologie über andere stellt und diese Ideologie für rein erklärt, indem man andere Denkungsarten abwertet. Das ist Nazismus. Und dieser Nazismus existiert im deutschen Alltag von heute.«

Ai Weiwei im Interview mit dem britischen »Guardian«
Quelle: https://www.tagesspiegel.de/kultur/ai-weiwei-ueber-deutschland-der-nazismus-existiert-im-deutschen-alltag/25458336.html

Die asozialen Netzwerke sind bereits jetzt voll von gegenseitiger Hetze, dass sich der/die Andere jeweils falsch verhalte und wenn »die« jetzt auch noch »die App« verweigern, werden »die« nicht in die Gaststätte hineingelassen oder dürfen vielleicht bald auch nicht mehr mit öffentlichen Verkehrsmitteln fahren oder sollen zumindest hinten sitzen?

Diskriminierung? Neeiiin… Gesundheitsschutz!

Nichtnutzer werden verunglimpft und die hörigen Mitläufer radikalisieren sich gegenüber den »Aufmüpfigen«, den »Störern« und dann ist es nicht mehr weit bis zum gelben Stern – aber nicht selbstgewählt auf der eigenen Kleidung…

Ganz genau auf solche Weise hat es in den 1920er Jahren begonnen.

Leider ist zu vermuten, dass ausgerechnet die Gruppen, die Gesichtsbedeckungen und Impfungen verweigern und bisher die Opfer gaben, nun noch weiter von rechts unterwandert und aufgehetzt werden, um gegen die »App-Verweigerer« sturm zu laufen.

Oder es kommt anders, und der »brave Bürger« stellt sich den vermeintlichen Gefährdern entgegen, die sich nicht widerstandslos der totalen Digitalunterdrückung unterwerfen wollen.

Jede/r darf selbst wählen, was ihm/ihr schlimmer scheint.
Die kommende Erfahrung wird es uns lehren.

Und auch der andere Fall ist beachtens- und bedenkenwert:

»Ich halte es aber für schwierig, wenn positiv getestete Menschen identifiziert werden können. Das kann Personen stigmatisieren.«

Quelle: https://bnn.de/lokales/karlsruhe/it-experte-zu-corona-warn-app-die-sicherheit-ist-lueckenhaft

Siehe auch hier:

»Anna-Verena Nosthoff: Man kann noch nicht wirklich ausmachen, ob sich durch die Corona-Krise dauerhaft neue soziale Kontrollmechanismen durchsetzen. Grundsätzlich kann man sagen: Schon vor der Krise gab es die Bereitschaft in der Bevölkerung, für die Gesundheit die Privatsphäre einzuschränken.«

Quelle: https://www.zeit.de/digital/datenschutz/2020-03/corona-infizierte-smartphone-daten-handytracking-ueberwachung/komplettansicht

»Neue soziale Kontrollmechanismen« sind… na… was?

Richtig: Faschismus.

Alter Wein in neuen Schläuchen. Sage doch nochmal jemand, Geschichte wiederhole sich nicht…

Und wieder macht die Mehrheit begeistert mit.

»Spannend ist in diesem Zusammenhang eine Umfrage des Marktforschungsinstituts Innofact. Ihr zufolge wären 70 Prozent der in Deutschland Befragten bereit, persönliche Daten wie Gesundheitsdaten und Bewegungsprofile zur Bekämpfung des Virus zu spenden, sich als Infizierte teils sogar namentlich in ein öffentliches Register einzutragen.«

Quelle: https://www.zeit.de/digital/datenschutz/2020-03/corona-infizierte-smartphone-daten-handytracking-ueberwachung/komplettansicht

So, nun darfst du unten in den Kommentaren deiner Meinung freien Lauf lassen.

Viele Grüße
Detlef Jahn

PS:
Bevor die Angriffe kommen: Ich habe gar kein Gerät, auf dem diese »Corona-App« laufen würde. Und ich nutze auch keinerlei andere »Apps« die irgendwelche online-Aktivität voraussetzen. Schon aus Prinzip nicht.
Für Diejenigen, die sich tatsächlich für »digitale Privatsphäre« interessieren, habe ich eine dringende Leseempfehlung: https://privacy-handbuch.de/

Bitte teile diesen Beitrag - vielen Dank.

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