Ich bin hellsichtig

oder

Warum Transaktionssteuern nun Transaktionsgebühren sein werden und weshalb wir nicht davon profitieren

Gerade, nachdem ich auf Facebook erneut auf meinen Artikel zum Thema Transaktionssteuern hingewiesen habe, lese ich davon, dass Facebook eine Kryptowährung auflegen wird.

Siehe https://www.zeit.de/digital/internet/2019-06/kryptowaehrung-libra-facebook-bitcoin-blockchain?utm_source=pocket-newtab:

»Wie verdient Facebook Geld mit Libra?

Wie alle Mitglieder der Association hofft das Unternehmen auf langfristigen Erfolg der Währung. Denn je mehr Menschen Libra nutzen, desto höher sind die Anlagen der Reserve und desto höher ist die Rendite durch Zinsen. Aus dem gleichen Grund sind mutmaßlich auch Firmen wie Mastercard und PayPal von Beginn an dabei – Firmen, deren Geschäftsmodell durch Libra eigentlich bedroht ist, die sich aber durch ihre Teilnahme zusätzliche Einnahmen erhoffen dürfen.
Facebook hat zudem einen Startvorteil: Mit Calibra hat es die erste eigenständige Libra-Wallet entwickelt, die in WhatsApp und den Facebook-Messenger integriert werden soll. Für viele Menschen dürfte das der zunächst schnellste und einfachste Weg sein, mit Libra in Kontakt zu kommen. Calibra könnte überhaupt die erste, wirklich flächendeckend verbreitete Kryptowallet sein. Kevin Weil, Vizepräsident von Calibra, sagte gegenüber The Verge, man wolle die Transaktionsgebühren gering halten. Wichtiger sei es, die Verbreitung von Calibra so voranzutreiben, dass „eine lebhafte Ökonomie an Finanzdienstleistungen“ entsteht. Je häufiger Menschen Calibra nutzen, desto länger befinden sie sich im Facebook-Ökosystem und desto attraktiver wird es für Händler und Werbekunden, Anzeigen in diesem System zu schalten – wodurch Facebook wiederum verdient.«

Nur, um das mal grob zu verdeutlichen:
Facebook hat ca. 2,4 Mrd. Mitglieder. Wenn von denen jeder im Durchschnitt pro Monat fünf Transaktionen zu je zehn Euro mit dem neuen Libra durchführt und davon jeweils 0,5 % Gebühr erhoben wird, kommt man auf insgesamt läppische 7,2 Mrd. Euro oder Dollar pro Jahr – 7.200.000.000 – dafür kann man dann schon mal sowas starten… [Zahlen korrigiert – ich hatte mich zuerst grob verrechnet]

Der Witz an der Sache ist, dass die Politiker nun so lange an der Transaktionssteuer herumdiskutiert haben, dass die privaten Konzerne völlig richtig erkannt haben, welche Geldmengen damit erzielbar sind, den Spieß jetzt einfach umdrehen, indem sie ihre geballten materiellen und geistigen Möglichkeiten effizient nutzen und nun ihrerseits etliche Fliegen mit einer Klappe erschlagen:

  • Sie etablieren eine Weltwährung und schaffen damit Tatsachen.
  • Sie sichern sich ihre finanzielle Vormachtstellung und zukünftig drastisch steigende Einnahmen.
  • Sie beschleunigen die Abschaffung des Bargeldes erheblich und schaffen damit die Voraussetzung, die »Gebühren« danach beliebig anzuheben, ohne dass eine Gegenwehr auch nur möglich wäre.
  • Wer redet denn noch über »Banken«?!
  • Weshalb mit Negativzinsen Erdnüsse sammeln, wenn man mit Transaktionsgebühren richtig Geld verdienen kann?!
  • »Der Staat« als Institution ist vollständig entmachtet und »Demokratie« wird zum Hobby für naive und kulturnostalgische Idealisten.

Siehe weiter in dem Artikel auf Zeit.de:

»Gelangt Facebook dadurch an noch mehr Daten?

Ja und nein. Facebook betont, dass die Finanzdaten aus der Wallet Calibra nicht mit den Werbeprofilen des sozialen Netzwerks verknüpft werden. Angesichts der zunehmenden Rufe nach einer Zerschlagung des Konzerns wäre das wohl auch keine gute Idee. Die eigentlichen Transaktionsinformationen laufen in pseudonymisierter Form in der Blockchain über die Server der Libra Association. Allerdings weist Facebook in einem Dokument darauf hin, dass sich auch Calibra „personalisieren“ lässt, etwa indem man seine Facebook-Kontaktliste in die Wallet importiert. Auch können bestimmte „Nutzerdaten“ zur Verbesserung und Vermarktung des Produkts verwendet werden. Als Teil seines Ökosystems wird Facebook also sehr wahrscheinlich in irgendeiner Form an weitere Daten seiner Nutzerinnen und Nutzer gelangen.«

Und noch mehr Fliegen mit der selben Klappe:

  • Wer ernsthaft glaubt, dass »die Finanzdaten aus der Wallet Calibra nicht mit den Werbeprofilen des sozialen Netzwerks verknüpft werden«, hat irgendwas ganz wichtiges schon weit vorher nicht verstanden… nämlich, dass Grundlage des Geschäftsprinzips gerade das Gegenteil dessen ist, was da gerade »versprochen« wird.
    Zuckerberg: »Ähm, *hüstel*, ich bitte um Entschuldigung. Das ist alles ein ganz großes Missverständnis. Ich habe nichts versprochen, sondern mich versprochen.«
  • Das Individuum wird noch vollständiger »gläsern«.
  • Der »Aufmüpfige« wird per Logarithmus vollautomatisiert ökonomisch »kaltgestellt« und damit ungefährlich gemacht, weil handlungs- oder sogar überlebensunfähig.
  • Entscheidungen werden durch Datenvorherrschaft bestimmt und nicht durch Vereinbarungen und Regeln aufgrund ethisch-moralischer Grundsätze.
  • Was war gleich nochmal »Demokratie«?!

Sie werden rennen und einander stoßen, um teilnehmen zu dürfen – man will sich ja dem Fortschritt nicht in den Weg stellen.

Wer will denn noch Bargeld durch die Gegend schleppen?

Stell dir vor, es ist Freiheit und keiner geht hin!

»Um die bürgerliche Gesellschaft zu zerstören, muss man ihr Geldsystem verwüsten.«
Wladimir Iljitsch Uljanow (Lenin)

»Der Kapitalist« kennt »seinen Lenin« – er hat seine Hausaufgaben gemacht.

Und jetzt werden die technischen Möglichkeiten erneut genutzt, sich wieder einmal noch tiefer einzugraben und sich noch einmal und noch erbitterter als jemals zuvor zu verteidigen, bis mit ihm alles Menschliche untergeht.

»Gebt mir einen festen Punkt, und ich hebe die Welt aus den Angeln.«
(Archimedes von Syrakus)

Facebook bereitet genau das gerade vor.

Und »die Politiker« stehen daneben wie staunende Kinder und sehen hilf- und tatenlos zu.

Wer bargeldlos bezahlt, weil ihm seine Bequemlichkeit wichtiger ist, als seine individuelle Unabhängigkeit und seine persönliche Freiheit, unterwirft sich dem totalen Macht- und Kontrollsystem und gibt freiwillig nicht nur einen Teil, sondern jede persönliche Freiheit auf.

Bitte schreibe mir deine Sichtweise hier unten in die Kommentare und wenn du meiner Meinung folgen kannst oder sie sogar teilst, dann sage es weiter und mahne, Bargeld zu verwenden, wo immer es irgendwie möglich ist.

Viele Grüße
Detlef Jahn

[fortgesetzt: »Transaktionsgebühren, Kontrolle, Macht«]

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