Über den Krieg

In einem Kommentar im Fratzenbuch durfte ich folgenden Satzteil lesen:
»[…] wenn nicht amerikanische, russische, britische und französische Soldaten für unsere Freiheit gekämpft hätten […]«

Das habe ich dort so kommentiert – hier aber etwas ausführlicher, genauer formuliert und mit (hoffentlich) besserer Rechtschreibung:

Kann man so sehen wollen, wenn man die Geschichte glaubt, die (immer nur) von den Siegern umgedeutet und aufgeschrieben wird.

Man kann es aber auch so sehen:

Haben die russischen, amerikanischen, britischen und französischen Soldaten tatsächlich für unsere Freiheit gekämpft? Ich glaube das nicht.

Die Russen haben ihren Feind vernichtet, der den Vertrag gebrochen und sie angegriffen hat – und wollten (wo sie schonmal dabei waren) als zweite Fliege gleichzeitig (erstmal nur) den (europäischen) Westen »befreien« und mit dem vermeintlichen/angeblichen/behaupteten Kommunismus beglücken. Eine für mich sehr logische und nachvollziehbare Vorgehensweise – schließlich sprach und schrieb Lenin von der »Revolution im Weltmaßstab«.

Der Westen hingegen hat nur eins getan: Er hat seine Märkte und sein Einflussgebiet verteidigt – aber nicht gegen den »bösen Deutschen«, sondern gegen den feindlichen Kommunismus, damals vor allem auch »Bolschewismus« genannt.
Wenn Deutschland sich (erst mal) mit Westeuropa begnügt hätte, hätte es keinen solchen Weltkrieg gegeben.
Die Judenverfolgung war erstens »Beifang« und hatte (wie auch vorher schon immer) ganz knallharte finanzielle Hintergründe, die (wie ebenfalls schon immer) vor allem innenpolitisch ausgenutzt wurden, um einen äußeren Feind herbeizufabulieren, um die Kriegslust im Volke zu schüren und auszukochen (nein, das ist kein Schreibfehler).
Damit war die Judenvernichtung zweitens eine eher »innere Angelegenheit«, die die westlichen Alliierten und auch »den Russen« in Wahrheit nicht die Bohne interessiert haben, weshalb die Befreiung der Konzentrationslager letztlich ebenfalls nur »Beifang« auf Seiten der Alliierten war, der natürlich hinterher wunderbar politisch ausgenutzt werden konnte und bis heute aktiv wirksam ist und geradezu kakofonisch nachhallt. (Anmerkung, weil ich das Geheul schon hören kann: Nein, ich rede die Judenverfolgung und -vernichtung nicht klein, aber ich beschreibe meine Sichtweise auf die wahren Hintergründe.)

Genau so, wie heute die Menschenrechtsverletzungen in China den Westen nicht interessieren, solange die Chinesen brav die Chips für uns produzieren und uns unsere Verbrenner abkaufen – die Olympischen Spiele müssen stattfinden, um wortwörtlich jeden Preis. Was zählen da ein paar tausend Menschenleben, wo doch die armen Sportler so hart trainiert haben… Und aus dem selben Grund spielen wir erst Fußball in Katar und kaufen dann Öl und Gas dort ein, damit wir nur ja nicht frieren oder – noch schlimmer – einen unangenehm hohen Preis an der Tankstelle bezahlen müssen und dann deshalb vielleicht zu allem Unglück sogar noch auf die Fern-Lustreise verzichten müssten oder darauf, unangemessen niedrige Preise für Klamotten zu zahlen oder unfassbar viel Nahrungsmittel zu verschwenden und Wälder zu vernichten.

Unsere Sorgen möchten die Ukrainer jetzt gerne haben.

Streng genommen, sind also Hitler oder Putin oder Xi Jinping, Nestlé oder Unilever oder CocaCola und Thomas Bach oder Gianni Infantino nicht wirklich weit voneinander entfernt.

Der eigentliche Grund für den Zweiten Weltkrieg war
1. der freche Erfolg der Japaner, die sich durch Pearl Harbor die Bandscheibe verklemmt haben und die riesigen Gebiete, die sie erobert hatten, nicht adäquat verteidigen und kontrollieren konnten und weil die Amerikaner ihren Einfluss geltendmachen und zur weltweit »ersten Geige« aufsteigen wollten. Bis zum Zweiten Weltkrieg waren sie nämlich noch nicht »die Großmacht«, die sie gerne werden und sein wollten – man denke nur an die erbärmlichen Dreißigerjahre des 20. Jahrhunderts.
2. Hitler hat sich mit seinem (militärisch verblödeten) zwei-Fronten-Blitzkrieg ebenfalls mächtig übernommen und dann auch noch von Napoleon 1813 nichts gelernt und den russischen Bären nicht nur geweckt sondern auch noch wütend gemacht… Wäre die Gegenwehr der Russen nicht erfolgreich gewesen, hätte der Westen in Europa nicht eingegriffen.
3. Musste Amerika andererseits unterbinden, dass Hitler sich mit Japan verbrüdert und sie gemeinsam ganz Eurasien unterwerfen – mit allen Rohstoffen und menschlichem Kanonenfutter.

Am Ende und auf die reine Essenz eingekocht, ging es beim Zweiten Weltkrieg einfach nur um Geld – wie es immer und bei allen Kriegen immer nur ums Geld ging und bis heute geht. Es gab und gibt gar keinen anderen Grund für Krieg und Massenmord, Sklaverei und Umweltzerstörung, nie und nirgends.

Ja, ab und zu ist auch mal einer dabei, wie auch jetzt aktuell, der einfach nur mal »den Breiten markiert« und das als Wettbewerb im Weitpinkeln betrachtet (ist ja auch nicht seine eigene Haut, die auf dem Schlachtfeld abgezogen wird…) aber auch diese Kriege haben im Kern nichts als nackte ökonomische Interessen, die sich am Ende in purer Macht münzen sollen.

Der Unterschied zum Zweiten Weltkrieg ist heute die machtpolitische und in naher Zukunft auch ökonomische Bedeutungslosigkeit Europas. Wehe uns, wenn Trump wieder im Weißen Haus einzieht!

Wie siehst du das? Ich freue mich über jeden Kommentar und über jede Verlinkung – herzlichen Dank.

Viele Grüße
Detlef Jahn

 

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