Aktueller Stand zu Corona-Infektionen 2020-03-14

Hallo allerseits,

ich möchte helfen, das Wirrwarr ein wenig zu entfitzen, da leider in den angeblich »sozialen Medien« viel Unsinn kursiert und in den verschiedenen Chats offenbar die Wellen ziemlich hoch schlagen.

Da ich Vorsitzender des »Födervereins Schule Ratzelstraße e. V.« bin und gleichzeitig Schulelternsprecher, bin ich aktuell (auch) mit diesen Fragen intensiv befasst.

Dies ist keine amtliche Verlautbarung, sondern eine private Zusammenfassung.
Grundlage ist folgende Veröffentlichung, die den aktuellen Wissensstand chronologisch auflistet: https://www.sueddeutsche.de/gesundheit/coronavirus-covid-19-symptome-forschung-1.4788734-0.

Wie lange übersteht das Virus außerhalb des Körpers?

  • Das neuartige Coronavirus Sars-CoV-2 hält sich bis zu drei Tage auf Kunststoff und Edelstahl.
  • In Aerosolen der Luft ist der Erreger hingegen nach etwa drei Stunden meist nicht mehr nachweisbar.
  • Bis zu 72 Stunden nach einer Kontamination waren jeweils noch lebensfähige Viren nachweisbar, wobei sich die Virenlast schon erheblich reduziert hatte.
  • Auf Pappe und anderen Kartonagen übersteht der neuartige Erreger bis zu 24 Stunden.
  • Auf Kupfer überstand das neuartige Coronavirus nur etwa vier Stunden.

Es handelt sich nicht um einen Beleg, dass sich das Virus tatsächlich maßgeblich über Oberflächen verbreitet. »Wir wissen derzeit nicht, ob man Covid-19 von kontaminierten Oberflächen oder anderen Gegenständen auflesen kann«, sagte die Mikrobiologin Marilyn Roberts von der University of Washington dem Magazin Technology Review.

Die Forscher führen die schnellere Verbreitung im Vergleich zum Sars-Virus von 2003 bislang nur bedingt auf die Umweltbeständigkeit des neuen Erregers zurück. Sondern eher darauf, dass möglicherweise auch infizierte Personen, die keine Symptome zeigen, das Virus verbreiten, ohne es zu ahnen. Auch andere Faktoren wie Temperatur, Luftfeuchtigkeit oder die Stabilität des Virus spielten eine Rolle für seine Ausbreitung, betonen die Virologen. Weitere Experimente seien derzeit im Gange, um diese Fragen zu klären. Von anderen Coronaviren ist bekannt, dass Reinigung und Desinfektion Virenpartikel sehr effektiv beseitigen. (Stand: 12.03.2020/CVEI)

Symptome

Patienten berichteten am häufigsten von Husten (58 Prozent), Fieber (43 Prozent) und Schnupfen (32 Prozent).

In zwei Prozent der Fälle kam es zu einer Lungenentzündung (Pneumonie).

Darüber hinaus gibt es allgemeine Symptome wie Kopf-, Rücken- und Gelenkschmerzen, Appetitlosigkeit, Übelkeit, Erbrechen und Durchfall.

Pneumokokken-Impfung schützt die Lunge

Menschen ab 60 Jahren sollen sich gegen Pneumokokken impfen lassen, die Lungenentzündungen auslösen können, um die Komplikationen einer Infektion möglichst abzumildern.
Dies gilt besonders für Patienten mit Lungenerkrankungen, denn deren Bronchien und Lungenbläschen sind bereits angegriffen und oftmals verdickt, was den Gasaustausch sowieso schon erschwert. Kommt eine durch das Virus Sars-CoV-2 ausgelöste Lungenentzündung hinzu, kann diese ebenso kritisch verlaufen wie eine solche Erkrankung bei Menschen mit Asthma, Chronisch obstruktiver Lungenerkrankung (COPD) oder anderen Leiden der Atemwege.

Auch für Raucher wäre es jetzt ein passender Zeitpunkt, um mit ihrer Gewohnheit aufzuhören.

Pneumokokken sind Bakterien, die per Tröpfcheninfektion übertragen werden und gelten als häufigster Erreger einer Lungenentzündung. Etwa ein Viertel bis fast die Hälfte dieser Erkrankungen werden durch Pneumokokken ausgelöst.

Zumeist wird die Impfung gut vertragen. Wie für alle Impfungen gilt auch für jene gegen Pneumokokken, dass sie nicht während einer akuten Erkrankung oder einem fiebrigen Infekt gegeben werden sollte. (Stand: 09.03.2020/BART)

Tödlicher als Influenza – aber weniger ansteckend

  • Bei 3,4 Prozent liegt die Sterblichkeit durch das Coronavirus nach derzeitiger Datenlage.
    Diesen Wert gab der Direktor der Weltgesundheitsorganisation (WHO), Tedros Adhanom Ghebreyesus, am 5. März auf einer Pressekonferenz bekannt.
  • Die jährlich wiederkehrende Influenza tötet deutlich weniger als ein Prozent der Infizierten.
  • Bislang war die Sterblichkeit durch Sars-CoV-2 aber deutlich geringer geschätzt worden, aus mehreren Gründen:
    • Bislang wurde angenommen, dass es eine große Dunkelziffer gibt, Patienten also (aus diversen Gründen) nicht zum Arzt gehen und deshalb in keine Statistik einfließen.
    • Unentdeckte Infizierte ohne oder nur mit milden Symptome galten bislang als unbewusste Treiber der Epidemie. Tedros betonte am Dienstag jedoch, dass Daten aus China darauf hindeuten, dass dort nur ein Prozent der Infizierten keine Symptome hatten, und die meisten innerhalb von zwei Tagen erkrankten.
    • Auch wurde die hohe Sterblichkeit in China dem stark überlasteten Gesundheitssystem zugeschrieben, das die lebensbedrohlich Erkrankten nicht angemessen versorgen konnte. Deshalb wurde allgemein mit einer geringeren Sterblichkeit gerechnet, als die Zahlen aus China vermuten ließen.

Tedros fasste die neuen Erkenntnisse so zusammen:
»Covid-19 verbreitet sich weniger effektiv als die Grippe. Die Hauptquelle scheinen nicht Menschen zu sein, die nicht krank sind. Das neue Coronavirus löst eine schwerere Erkrankung aus als die Grippe und es gibt keine Impfstoffe oder Medikamente gegen den neuen Erreger. Deshalb müssen wir alles tun, um den Ausbruch einzugrenzen.«

Die WHO geht davon aus, dass in China der weitaus größte Teil der Infektionen tatsächlich aufgespürt wurde.

Während der Pressekonferenz am Dienstag machte eine WHO-Mitarbeiterin jedoch auch deutlich, dass die von Tedros genannte globale Sterblichkeitsrate nur eine »grobe Abschätzung« sei, die Zahl sich jederzeit ändern könne und zudem von Region zu Region unterschiedlich ausfallen könnte.

Auch anderen Experten gehen von einer geringeren Sterblichkeit aus, als der von Tedros genannten. »Es ist erstaunlich schwierig, die Sterblichkeitsrate während einer Epidemie zu berechnen«, sagt John Edmunds vom Centre for the Mathematical Modelling of Infectious Diseases der London School of Hygiene & Tropical Medicine.

Epidemiologen empfehlen Alternativen zum Händeschütteln

  • Gruß auf Distanz kann durchaus schützend sein für die Gesundheit.
  • eine leichte Verbeugung, eine Hand auf der Brust oder sogar nur ein Blick in die Augen
  • erst einmal auf »high fives« verzichten

Überhaupt spielt Handhygiene eine wichtige Rolle beim Schutz vor Infektionskrankheiten aller Art. Regelmäßiges Händewaschen bleibt deshalb die häufigste Empfehlung von Seuchenschützern: wenigstens 20 Sekunden lang, besser 30, auch zwischen den Fingern und den Handrücken nicht vergessen – mit warmem Wasser und Seife.

Zudem raten Epidemiologen insgesamt zu Abstand. Anderthalb Meter dürfen es ruhig sein, um einer Tröpfcheninfektion durch jemanden, der niest oder hustest, halbwegs aus dem Weg zu gehen.

Auch beim Sprechen fliegen kleine Tröpfchen aus dem Mund.

Abstand schützt. Insofern ist es bei so regem Infektionsgeschehen wie derzeit auch eine Frage der Höflichkeit, einen Schritt zurück zu treten. Man weiß ja nicht, ob man nicht vielleicht selbst ansteckend ist. So schützt man sich selbst und andere.

Verwirrung um mögliche zweite Infektion

Wie die Nachrichtenagentur dpa berichtet, hat sich eine Frau in Japan zum zweiten Mal mit dem neuen Coronavirus Sars-CoV-2 infiziert.

Normalerweise bildet das menschliche Abwehrsystem gegen viele Erreger ein dauerhaftes Gedächtnis, das vor weiteren Infektionen mit dem gleichen Virus oder Bakterium schützt. Maßgeschneiderte Antikörper und geprägte Immunzellen fangen die Mikroben bei einem zweiten Angriff ab, bevor sie sich vermehren und Schaden anrichten können. Impfungen imitieren diese Gedächtnisbildung durch abgeschwächte Erreger. Im Fall von Sars-CoV-2 war man nach Untersuchungen an genesenen Patienten, darunter auch den deutschen Webasto-Mitarbeitern, davon ausgegangen, dass eine solche Gedächtnisbildung auch gegen das neue Virus stattfindet.

Ob die Frau tatsächlich doppelt erkrankt ist, bleibt unterdessen jedoch unklar. Die Japanerin war mit leichten Symptomen am 29. Januar positiv auf Sars-CoV-2 getestet worden. Darüber, wann ein zweiter Test negativ ausfiel und die Frau nach Hause entlassen wurde, gibt es unterschiedliche Angaben. Laut dpa war dies am 1.Februar, die South China Morning Post nennt den 6. Februar. Zwei Wochen später soll die Frau dann Husten und heftige Schmerzen in Hals und Brust entwickelt haben und wurde erneut positiv getestet.

Die zeitlichen Abstände und der negative Test Anfang Februar sprechen dabei auf den ersten Blick zwar für zwei verschiedene Infektionen. Allerdings haben Virologen inzwischen gezeigt, dass das neue Coronavirus den Körper in zwei Phasen befällt: Zunächst vermehrt es sich im Nasen-Rachen-Raum, wo es leichte Symptome verursacht. Später dann vollzieht es einen Etagenwechsel in die tiefen Bereiche der Lunge, wo es eine schwere Entzündung auslösen kann. Möglicherweise fand der zweite Test während dieses Wechsels statt und fiel deshalb negativ aus. (Stand: 27.02.2020/ZINT)

Für wen Covid-19 am gefährlichsten ist

81 Prozent der Fälle verliefen in China bei einer Auswertung von 44.000 Erkrankten mild.
14 Prozent wurden als ernst klassifiziert und zeichneten sich beispielsweise durch Atemnot und eine niedrige Sauerstoffsättigung des Blutes aus.
Knapp fünf Prozent der Fälle waren kritisch; die Patienten mussten unter anderem künstlich beatmet werden oder erlebten einen septischen Schock.
Insgesamt 2,3 Prozent der Patienten starben.
Tatsächlich könnte der Anteil der schweren und tödlichen Verläufe aber deutlich niedriger liegen, denn Experten gehen davon aus, dass es sehr viele milde Fälle gibt, die gar nicht erfasst werden und die Rate nach unten drücken.

Die Beschreibung gibt zugleich Aufschluss darüber, welche Menschen am stärksten gefährdet sind.

  • Zwei Drittel Verstorbenen hatten an einer Grunderkrankung gelitten, 40 Prozent hatten Bluthochdruck, 23 Prozent weitere Herz-Kreislauf-Erkrankungen und 20 Prozent Diabetes. 80 Prozent der Todesopfer war mindestens 60 Jahre alt. Männer starben auffällig häufiger als Frauen: 64 Prozent der Todesopfer waren Männer, obwohl sie nur 51 Prozent aller Erkrankten ausmachten. (Stand: 18.2.2020/BEU)

Babys werden nur selten krank

Babys scheinen nur sehr selten an Covid-19 zu erkranken. Komplikationen wurden für keines der untersuchten Kinder bekannt. Alle steckten sich offenbar bei einem Familienmitglied an.

Die Forscher können nicht sagen, warum so wenige kleine Kinder erkranken. Womöglich sind die Kleinsten in ihrem Alltag dem Erreger weniger stark ausgesetzt. Vielleicht verlaufen Infektionen bei Kindern so mild, dass sie nicht erfasst werden. Die Arbeit zeige jedenfalls, dass Infektionen bei Kindern nicht ausgeschlossen sind, betonen die Autoren: Familien mit Erkrankten sollten daher auch auf Symptome bei Babys achten. (Stand: 17.2.2020/BEU)

Erste Erkenntnisse über die Gefährdung von Ungeborenen

Erste Hinweise sprechen dafür, dass das Coronavirus nicht von der schwangeren Mutter auf das ungeborene Kind übertragen wird. Ärzte aus Wuhan ziehen diesen Schluss im Fachblatt Lancet, nachdem sie die ersten neun Babys untersucht hatten, die von infizierten Müttern zur Welt gebracht wurden.
Die Kinder wurden per Kaiserschnitt entbunden, auch um sicherzugehen, dass das Virus nicht bei der vaginalen Geburt übertragen wird.

Noch im OP entnahmen die Ärzte Fruchtwasser, Nabelschnurblut und Rachenabstriche von den Neugeborenen, später auch Muttermilch. Insgesamt sechs Mutter-Kind-Paare lieferten diese Proben. In keiner wurde das Virus nachgewiesen. Die Autoren verweisen darauf, dass auch Sars nicht im Mutterleib übertragen wurde. Sie betonen jedoch, dass sich aus der kleinen Fallzahl noch keine sicheren Schlüsse ziehen lassen. Unklar ist zudem, wie sich eine Infektion in einem früheren Stadium der Schwangerschaft auswirkt. (Stand: 17.2.2020/BEU)

Viele Grüße, alles Gute
und behaltet die Nerven!

Detlef Jahn

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