Antwort auf einen Kommentar zum Thema »Mythos Schuldgeld«

Unter meinem Artikel »Antwort auf: Mythos Schuldgeld – Warum das Geldsystem nicht das Problem ist« ist ein Kommentar zu finden, auf den ich nicht nur kurz antworten möchte, weshalb ich daraus einen separaten Artikel gemacht habe.
Der besagte Kommentar sagt (Auszug):

»Solange das Geld nicht als das gesehen wird, was es ist, nämlich eine Schuld einer Bank, drehen sich alle Erklärungsversuche im Kreis. […]
„Geldschöpfung aus dem Nichts“ durch Banken und „fehlende, weil nicht geschöpfte Zinsen“ sind propagandistischer Unsinn, der sich bereits weit in die Gesellschaft hineingefressen hat.
Es wird Zeit, diesen Schwindel zu entlarven…
Mehr dazu auf http://www.schuldgeld.de«

Das bedarf natürlich einer Antwort – ich werde hierfür auch von der im Kommentar genannten Website zitieren, um besser antworten zu können.
Aus www.schuldgeld.de:

»Nachdem Sie das (Bar-) Geld bei Ihrer Bank eingezahlt haben, gehört es der Bank!«

Falsch.

Hier muss natürlich zwischen Eigentum und Besitz unterschieden werden. Zum genannten Zeitpunkt der Einzahlung bin ich selbstverständlich noch Eigentümer dieser 100 Euro, aber die Bank ist (vorübergehender) Besitzer dieser Summe, bis ich es mir wieder auszahlen lasse, denn ich beauftrage mit meiner Einzahlung die Bank lediglich, es zu lagern und in meinem Auftrag und auf meine Veranlassung hin damit Zahlungen durchzuführen.

Wenn mein Arbeitgeber mir Lohn überweist, gehört dieser mir – sofort. Nur Besitzer bin ich eben erst, wenn ich das Geld am Automaten abgeholt habe und in meiner Hand halte.

Wenn mein Nachbar mir Geld gibt, bin ich dessen Besitzer, aber der Nachbar bleibt dessen Eigentümer – ich besorge für ihn mit seinem Geld ein Brot und gebe ihm dann das Wechselgeld wieder zurück oder behalte es, um damit später noch im Baumarkt Schrauben zu bezahlen, die er für seinen Bungalow braucht – wie man es auch dreht, das Geld bleibt sein Eigentum, bis es gegen Ware oder Dienstleistung getauscht wurde.

Genau wie bei meiner Bank, der ich meine 100 Euro gegeben habe, ihr aber nicht das Eigentum daran überschrieb.

Das ist die gefühlte und wahrscheinlich auch die bei Gericht durchsetzbare juristische Situation.

Faktisch ist es etwas anders und dadurch dann doch des Autors Satz (indirekt) korrekt, denn die Banken führen die Einlagen der Kunden als Aktiva in ihren Bilanzen. Solange das nicht gesetzlich geändert wird, ist faktisch jedes Geld, das auf Konten bei Banken liegt enteignet – nur ist das niemandem bewusst und niemand hält das für möglich, weshalb niemand etwas dagegen unternimmt. Von der Gesetzeslage her ist es damit legal – tatsächlich entspricht es vom Vorgang her einer Unterschlagung. Nur juristisch klären müsste das mal Jemand…

In seiner Absolutheit ist der Satz

»Nachdem Sie das (Bar-) Geld bei Ihrer Bank eingezahlt haben, gehört es der Bank!«

also falsch. De facto ist er sachlich jedoch richtig.
Wichtig ist es also, wie bei den meisten Dingen, nicht nur Effektheischerei zu betreiben. Wenn man aufklären möchte, sollte man ausführlich und sachgerecht differenzieren.

Und wieder dort:

»Da Sie ja bereits einen Anspruch auf 100 Euro (Bar-) Geld haben, nämlich die 100 Euro (Buch-) Geld auf Ihrem Konto, können Ihnen nicht auch noch die 100 Euro (Bar-) Geld gehören, die Sie bei der Bank eingezahlt haben, sonst hätten Sie Ihr Geld ja verdoppelt! […]
Die Bank hat das (Bar-) Geld, welches nur von der Zentralbank in Verkehr gebracht werden kann, während die Kunden mit einem Guthaben-Konto, und somit auch Sie mit Ihren aufs Konto eingezahlten 100 Euro, lediglich einen ANSPRUCH auf (Bar-) Geld haben!«

Richtig, aber unlogisch, einen Einwand zu widerlegen, den nur der Autor selbst unterstellt.

Wieder wird eben nicht korrekt formuliert – es wird von »gehört« geschrieben – was soll das sein? Besitz oder Eigentum – beides ist ganz klar definiert und bezeichnet unterschiedliche Zustände. »Gehört« gibt es juristisch nicht, ist Umgangssprache und wird ganz unterschiedlich verstanden und benutzt, meint einmal das Eigentum und ein anderes Mal den Besitz. Mir kann etwas gehören (ich bin der Eigentümer), aber jemand anderes kann es haben (er ist zu diesem Zeitpunkt der Besitzer) und dennoch bin und bleibe ich der Eigentümer. Der Dieb hat zwar mein Fahrrad geklaut und ist dadurch dessen Besitzer, jedoch ist er durch den Diebstahl eben nicht dessen Eigentümer geworden – es gehört ihm nicht, sondern immer noch mir.

Wie bei der Bank – sie ist nur durch meine Einzahlung nicht Eigentümer des Geldes geworden, sondern nur (vorübergehender) Besitzer. In keinen mir bekannten AGB steht irgendwo, dass mit der Einzahlung das Eigentum auf die Bank übergehen würde – sollte es das geben, bitte ich um konkrete Quellenangabe.

Das ist einigermaßen schwach für eine Artikelserie, von der der Autor selbstbewusst behauptet:

»… weil ich weiß und beweisen kann, dass Banken kein Geld aus dem Nichts schöpfen können, dass es ein „Fiat Money“ nicht gibt.«

oder auch:

»Dabei ist die Behauptung, Banken würden Geld aus dem Nichts schöpfen, eine Dummheit. Im schlimmsten Fall eine Lüge. […]
Diese Seite sucht nach Antworten. Und findet sie.«

Hm… aber sehen wir weiter.

»Worin der Unterschied besteht, merken Sie spätestens dann, wenn alle Kunden mit einem Guthaben gleichzeitig ihren Anspruch auf (Bar-) Geld einlösen, es sich also auszahlen lassen wollen.
An diesem Tag, dem sogenannten „bank run“ wird klar, was Banken gern für sich behalten:
Das (Bar-) Geld in ihren Tresoren und das (Buch-) Geld auf ihren Konten bei der Zentralbank, die gehören der Bank, nicht ihren Kunden.
Und es reicht niemals, um alle Ansprüche ihrer Kunden, um alle Schulden der Bank, gleichzeitig bedienen zu können!«

Stimmt faktisch, ist aber falsch begründet.

Denn was hier der Autor verschweigt (Arglist oder weiß er es einfach nicht?), ist der Umstand, weshalb die Bank gar nicht alle Kunden gleichzeitig auszahlen kann. Die Bank darf nach geltendem Recht mehr Geld verleihen, als sie an Einlagen verfügbar hat – sie muss weniger Geld vorrätig »haben«, als sie eigentlich auszahlen müsste, wenn alle Kunden es verlangten. Das beruht auf dem Umstand, dass erfahrungsgemäß relativ wenig Kunden ihr Geld bar abheben – in normalen Zeiten. Deshalb konnten die Banken von Beginn an große Teile des verfügbaren Geldes verleihen, weil sie nie die vollen Einlagen für Auszahlungen benötigten. Irgendwann begannen die Banken damit, mehr Geld zu verleihen, als die Kunden ihnen überlassen hatten, denn das merkte niemand, weil ja nie alles Geld bar abgefordert wurde und in den Büchern lief ja das Geld durch Kreditrückzahlungen immer wieder zurück und es konnten immer sämtliche Verleihvorgänge durch Schuldverschreibungen der Kreditnehmer aufgewogen werden – bar brauchte man das Geld nie zu »zeigen«, weil es nicht gebraucht wurde.

Wenn dann jedoch eine zu große Zahl an Krediten platzte, bekam die Bank große Probleme, wenn das »durchsickerte« und die arlamierten Kunden ihre Einlagen abforderten. Dann zeigte sich, welche Bank sich verzockt hatte und nicht alle Ansprüche befriedigen konnte – die Bank ging pleite und wurde (meist) von einer anderen übernommen und um einen Aufstand zu vermeiden, wurden die Kunden der Pleitebank dann von der übernehmenden Bank befriedigt.

Oft genug hat das nicht geklappt und es gab dann schwere Aufstände.
Deshalb haben heute die Entscheider solche Angst vor Bankenpleiten!

Heute ist ungefähr zehnmal soviel Buchgeld unterwegs, wie tatsächliches Geld vorhanden ist und reale Werte in der Wirschaft geschaffen werden – zehnmal soviel!
Woher sollte dieses viele Geld stammen, wenn Banken ausschließlich Geld verleihen, was sie von Kunden vorher erhalten haben?
Wir werden sehen, was der Autor dazu schreibt.

»Dass ein Guthaben auf Ihrem Konto eine (Bargeld-) Schuld Ihrer Bank ist, wissen Sie jetzt und sollten Sie sich gut merken.«

Nein, vergiss es gleich wieder!

Dein Guthaben auf der Bank sagt, dass du ihr dein Geld vorübergehend überlassen hast, es jedoch dir gehört, dass du Eigentümer bist und deshalb Anspruch auf Auszahlung hast.

»„Geldschöpfung aus dem Nichts“ kann man nur so verstehen, dass dieses (Buch-!) Geld vorher nicht bestanden hat. Alles andere ist Humbug.
Es dürfte allerdings jedem einleuchten, dass eine Schuldanerkennung nicht bestanden hat, solange sie nicht ausgestellt wurde. Das ist eine Binsenweisheit.
Daher sagt die Aussage „Geldschöpfung aus dem Nichts“ nichts aus und es zeigt sich, dass sie reine Propaganda ist.
Weshalb also nicht einfach „Geldverleih“ statt „Geldschöpfung aus dem Nichts“?
Weil der Skandal dann keiner mehr wäre.«

In der Darstellung eines Krediterstellungsvorgangs vorher fehlt ein entscheidender Punkt, der diesen hier zitierten Abschnitt ausser Kraft setzt.
Ich versuche das ganz stark verkürzt:

Ich bekomme von der Bank einen Kredit über 100 EUR – dieser Betrag wird von der Bank »in die Bücher geschrieben« und ich bekomme ihn aufs Konto und hebe ihn ab, weil ich mir einen Fernseher davon kaufe. Nun schulde ich der Bank 100 EUR – das zahle ich von meinem nächsten Lohn wieder zurück. Damit ist der Kredit »bedient« und die Bank streicht den Betrag als ausgeglichen aus den Büchern, denn Aktivposition und Passivposition heben einander auf. Aber es befinden sich ja real die 100 EUR im Umlauf, die ich vorher nicht hatte und die die Bank »in die Bücher geschrieben« hat, denn sie hatte das Geld auch nicht real – der Fernseherverkäufer hat sie eingenommen. Der muss natürlich andere Dinge bezahlen usw. – irgdenwann landet das Geld dann wieder bei der Bank und wird eingezahlt.
Peng: Die Bank hat jetzt 100 Euro, die es vorher nicht gab und die Bankbilanz steigt um diesen Zuwachs – das Geld wurde erschaffen, geschaffen, geschöpft oder wie auch immer man das nun bezeichnen mag – es gibt jetzt Geld, das vorher gar nicht da war.
Und das funktioniert nur, weil die Bank (heute ganz offiziell und gesetzlich geregelt) mehr Geld verleihen darf, als sie besitzt. Denn wenn ich nur Geld verleihe, das ich auch habe, dann kann ich durch den Vorgang des Verleihens und die Rückzahlung nicht die Gesamtgeldmenge erhöhen. Das funktioniert jedoch wunderbar, wie beschrieben, wenn ich Geld verleihen darf, was ich gar nicht habe.

Das ist die »Lizenz zum Gelddrucken« – ja, es gibt sie tatsächlich! Was natürlich Niemand so zugeben würde, denn dann fiele ja auf, dass da was ganz gewaltig nicht stimmt mit unserem System…!

»Warum wehren sich Banken nicht gegen die offensichtliche Falschdarstellung ihres Geschäftsmodells? Warum stellen sie das Ganze nicht richtig? Warum können ein Prof. Hörmann, ein Bernd Senf, ein Dirk Müller, ein Andreas Popp und andere weitestgehend unwidersprochen von einer „Geldschöpfung aus dem Nichts“ sprechen, ganze Bücher mit ihrer Bankenkritik füllen, wenn diese bei näherer Betrachtung falsch ist?«

Naja… weil

»Dass Banken nicht widersprechen, solange die Vorwürfe zutreffen, das leuchtet ein.«

Aber dann…

»1. Werte entstehen durch Arbeit und nicht durch Geld.
2. Geld bzw. Kredit entsteht auf Basis von realen Werten und nicht umgekehrt.
Diese Sicht auf das Schuldgeld attackiert das bestehende Banken- und Geldsystem in weit größerem Maße, als der scheinbar ungeheuerliche Vorwurf der Geldschöpfungsallmacht der Banken dies jemals tun könnte!
Wenn Banken Buchgeld nur auf Basis vorhandener Werte durch Kredit „erzeugen“, also in Verkehr bringen können, dann gehört die eigentliche Macht den Werten bzw. denen, die diese erzeugen bzw. deren Eigentümern.
Damit wird die Vorstellung, die Welt sei in den Händen der Banken, schwer beschädigt, am Ende gar zerstört.«

Nein, das ist ein Fazit, dass als Argument verwendet wird, die eigene Theorie zu stützen, aber leider auf der eigenen Theorie beruht und deshalb als Zirkelschluss unzulässig und vor allem aber auch unzutreffend ist.

Die Geldmenge erhöht sich durch Kreditvergabe nur, wenn Kredite vergeben werden, die das Eigenkapital der Bank und die Einlagen der Bankkunden übersteigen, was regelmäßig der Fall ist. Denn wenn obige zwei Sätze nicht nur Behauptungen wären, sondern stimmten – woher stammt dann das viele Geld, dem keine Werte aus der Realwirtschaft gegenüberstehen?

»Was, wenn der produzierende, der arbeitende Mensch plötzlich erkennen würde, dass er es ist, der Werte schafft, und nicht die Banken in ihren großen Häusern in Innenstadtlage?«

Das ist eine sehr berechtigte und wichtige Frage, jedoch ein völlig anderes Thema.

»Sollen die Menschen doch glauben, sie wären den Banken ausgeliefert.
Viel bedrohlicher wäre aus Sicht der Banken vermutlich, dieses Gefühl würde zerschlagen!«

Oooch… es würde bereits genügen, wenn eine relevante Menschenmenge ihr Geld vom Konto abheben wollte… → Peng, kaputt!

Viel schädlicher sind solche Seiten, die vorgeben, aufklären zu wollen und es vor allem auch wirklich ganz genau zu wissen – und vor allem besser, als alle Anderen – aber entweder arglistig mit Nebelkerzen werfen, gerade um gezielt zu verschleiern, worin die wahren Problemursachen liegen oder einfach nur »nicht zu Ende denken«, um es mal freundlich zu umschreiben.

Jede/r bilde sich seine eigene Meinung – und ich bin für jeden Kommentar dankbar.

Viele Grüße
Detlef Jahn

Bitte teile diesen Beitrag - vielen Dank.

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