Endgame – Oder: Warum habt ihr das zugelassen?!

Die Jungen Leute bei ›Fridays for Future‹ mahnen die Politiker (und uns Eltern und Großeltern!), endlich mit dem Reden aufzuhören und mit dem Handeln zu beginnen.

Und was machen die Politiker?
Sie reklamieren, dass gefälligst der Schulpflicht nachgekommen und in der Freizeit demonstriert werden soll.

Sie sagen, ein Streik soll in der Freizeit stattfinden. Was ist das dann für ein Streik?! Welcher Logik folgt eine solche Reaktion?

Gar keiner – es ist antrainierter Reflex, einen erkannten oder vermuteten Gegner erst einmal persönlich anzugreifen und seine Glaubwürdigkeit zu untergraben und ihm möglichst gravierender persönlicher Fehler zu beschuldigen. Es ist eine Rhetorik-Technik, die dazu dient, eigene Argumentations- und/oder persönliche Schwäche zu vertuschen und den Gegner kleiner zu machen oder wenigstens erscheinen zu lassen, als man selbst zu sein glaubt.

Es ist Methode, es ist Absicht, sich erst einmal gar nicht mit den inhaltlichen Fragen oder den konkreten Argumenten zu befassen, ja, noch nicht einmal überhaupt auf diese konkreten Inhalte und Argumente zu reagieren. Oder – wenn es gar nicht anders geht – dann wenigstens den Gegner erst einmal für seinen Einsatzwillen zu loben, um ihn dann mit freundlichem Lächeln darauf hinzuweisen, dass dies jetzt gerade ein ungünstiger Platz, eine komplizierte Situation oder ein schlechter Zeitpunkt ist, um sich mit der jeweiligen Sache zu befassen. Wahlweise, »nimmt man das Thema mit« und wird dann »Feedback geben«.

Wer seine sieben Sinne beieinander hat, wird erkannt haben, dass das Schema dasselbe ist, wie in den Feedbackgesprächen, bei Teammeetings und auf Betriebsversammlungen: besänftigen, vertrösten, abwiegeln oder glatt leugnen.
Wenn Probleme auf den Punkt gebracht werden, bekommt man jede Menge guter Hinweise, was man selbst denn zur Verbesserung betragen kann… Und je mehr man über andere tolle Sachen reden kann, desto mehr gerät das eigentliche Anliegen des Gesprächspartners aus dem Sichtfeld.

Die Politiker klopfen den jungen Leuten auf die Schulter, dass es großartig sei, dass ›die heutige Jugend‹ doch nicht so faul und politikverdrossen ist, wie man schon befürchtet hatte und man lädt freundlich ein, doch in der jeweiligen wohlfeilen Partei mitzuhelfen, alles in Zukunft noch viel besser zu machen.

Toll!

Und was war nochmal die Frage?

Ah, ja, Klimawandel… Jaaa, da muss dringend was passieren und die Zeit wird knapp… usw.

Und wenn das nicht funktioniert, weil die Jugendlichen sich nicht vereinnahmen lassen wollen, dann wird die zweite Schiene gefahren:

»Erklärt doch mal, was wir jetzt machen sollen!«

Oder, um den Christian Lindner zu zitieren:

»Ich finde politisches Engagement von Schülerinnen und Schülern toll. Von Kindern und Jugendlichen kann man aber nicht erwarten, dass sie bereits alle globalen Zusammenhänge, das technisch Sinnvolle und das ökonomisch Machbare sehen. Das ist eine Sache für Profis.«

Und hier kann ich Teile aus meinem vorigen Artikel nochmal nutzen:

Ein gern und immer wieder gemachter Fehler:
Derjenige, der auf einen Fahler oder einen Mangel hinweist, soll auch die Lösung des Problems liefern. Kann er das nicht, ist seine Kritik nichts wert.

Was hat das Eine mit dem Anderen zu tun?
Weshalb muss ich Experte sein, um Fehler zu erkennen?

Weshalb darf ich nicht hören können und es laut sagen, dass der Flötist falsche Töne gespielt hat, obwohl ich selbst gar nicht Flöte spielen und deshalb also dem Flötisten (oder dem Dirigenten) also gar nicht sagen kann, was er anders machen soll?

Weshalb darf ich nicht sehen und erkennen, dass der Turner die Beine nicht ordentlich durchgestreckt hat und es laut sagen, obwohl ich selbst nicht turnen kann?

Weshalb darf ich also nicht laut sagen, dass der Politiker Scheiße erzählt, wenn er – mein Vertreter! – inhaltsleeres Geschwafel von sich gibt und stundenlang redet, ohne etwas zu sagen?

Wenn ich es besser könnte, müsste ich nicht ihn in meine Vertretung entsenden, sondern könnte mich selbst darum kümmern.
Und wenn ich ihn beauftrage, in meinem Namen zu handeln, dann ist es doch Recht und billig, wenn ich verlange, dass er so spricht, dass ich verstehe, was er sagen will?!

Und wenn die Jugendlichen jetzt verlangen, dass die Entscheider mit dem Redenschwingen aufhören und mit dem Handeln beginnen sollen – und nur das ist deren sehr berechtigte Forderung – dann brauchen sie (die Jugendlichen) dafür weder eine Rechtfertigung, noch müssen sie irgend eine Expertise nachweisen.

Alles, was sie tun, ist, um eine lebenswerte Zukunft zu kämpfen.

Nein, das stimmt gar nicht.

Sie kämpfen darum, überhaupt eine Zukunft zu haben.

Anders herum wird nämlich ein Schuh draus:
Die Politiker haben bewiesen, dass sie unfähig sind. Denn wie ist es sonst gekommen, dass wir so tief in der (Klima)Scheiße stecken?

Oups – keine Unfähigkeit?
Dann doch absichtliche Ignoranz den Menschen und der Umwelt gegenüber?

Ihr (Entscheider) habt da jetzt ein Problem an der Backe, das ihr offenbar immer noch nicht verstanden habt.

Ihr dürft wählen zwischen zwei Möglichkeiten

Ihr habt bisher durch Unfähigkeit verkackt, aber seid lernwillig und zeigt ernsthafte Besserung – was ihr nur durch »schnelles und entschlossenes Handeln« zeigen könnt, indem ihr stramme Gesetze erlasst, die direkten, heftigen und sofortigen Zwang auf die Großkonzerne ausüben.

Oder ihr und eure Vorgänger habt das alles mit Absicht angerichtet – dann solltet ihr schnellstens aus den Ämtern gejagt und mit möglichst großer Härte bestraft werden.

Letzte Chance auf einen erfolgreichen Bremsvorgang

Nicht in kurzer Zeit, sondern ab sofort und innerhalb eines Jahres

  • werden ohne Ausnahme nur noch Null-Emmissions-Fahr- und Flugzeuge zugelassen,
  • wird jegliche Landwirtschaft auf BIO umgestellt,
  • darf kein Schiff mehr ohne hochleistungsfähige Abgasreinigungsanlagen auslaufen oder einlaufen,

ab sofort

  • wird auf jede Art Treibstoff für Verbrennungsmotoren 1.000 % Umweltsteuer auf den Nettoerzeugerpreis erhoben,
  • ist jeder ÖPNV kostenlos nutzbar und
  • wird jede Art Energie aus Verbrennungstechniken mit 1.000 % Umweltsteuer auf den Nettoerzeugerpreis belegt

und das alles ohne jede Ausnahme – auch nicht für Gewerbe- und Industriebetriebe.

    • Und um dem auch Durchschlagskraft zu verleihen, werden 1.000 % Einfuhrsteuern erhoben auf jeden Import, der nicht nach diesen Regeln erzeugt und transportiert wird.
    • Zur Stärkung der Regionalwirtschaft werden ab sofort auf jede Einfuhr 100 % Importsteuer erhoben.
    • Und jede Ausfuhr wird mit Exportsteuer in Höhe von 20 % belegt, die
      • zur Hälfte an den (möglichst von der UNO einzurichtenden) »Internationalen Umweltfonds« geht, der den vom Klimawandel am stärksten bedrohten Regionen auf der Welt hilft, die Folgen des Klimawandels zu tragen oder wenigstens zu mildern und
      • zur anderen Hälfte an den (möglichst von der UNO einzurichtenden) »Internationalen Regionalwirtschaftsfonds« gezahlt wird, der in den armen Regionen der Welt als Hilfe zum Aufbau einer einheimischen und regionalen Selbstversorgungswirtschaft verwendet werden muss.

DAS sind konsequente Maßnahmen!

Und das sind die einzigen Möglichkeiten, einen (friedlichen) Wandel zu ermöglichen.

»Das Wort ›unmöglich‹ existiert nur im Sprachschatz der Narren.«
(Napoleon)

Also beweist, dass ihr keine Narren seid!

»Wer wirklich etwas will, findet einen Weg.
Wer nicht wirklich will, findet Ausreden.«
(Willy Meurer, deutsch-kanadischer Kaufmann, Aphoristiker und Publizist)

Viele Grüße
Detlef Jahn

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2 Gedanken zu „Endgame – Oder: Warum habt ihr das zugelassen?!“

  1. Konsequente Vorschläge, aber nachdem ich auf der Website des Bündnis für die Zukunft gelesen habe, wie unglaublich rasant die Staatsverschuldung minütlich (!) wächst, ist mir klar, dass bald kein Staat mehr handlungsfähig sein kann, wenn nicht das gesamte Zinssystem abgeschafft wird. Niemand braucht es, nur die Reichen, die permanent Geld abzapfen wollen, ohne etwas dafür zu tun!

    1. Nunja… du hast recht, aber das Zinssystem lässt sich nicht „einfach abschaffen“, so auf Knopfdruck.
      Aber es gäbe Möglichkeiten einer starken Regulierung.
      Zwei sind schon mal die Transaktionssteuer und das Verbot der privaten Geldschöpfung.

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