Die CDU antwortet Rezo

[Update 28.5.2019: kleine Formulierungs-Präzisierungen und Korrekturen der Rechtschreibung – keine inhaltlichen Änderungen]

Der Youtuber Rezo hat ein Video veröffentlicht, das ziemlich eingeschlagen ist und nun hat die darin hart attackierte CDU geantwortet: »Offene Antwort an Rezo – Wie wir die Sache sehen«

Ich stelle hier mal ein paar Sachen daraus hervor und gebe jeweils ein paar Kommentare dazu – wie ich das sehe.

Henner Reitmeier schreibt auf Telepolis am 2.2.2016 unter dem Titel »Ihr tut mir Leid«:

»Noch nie haben Herrschende zuungunsten des Volkes ›Fehler‹ gemacht. Sie machen dies alles absichtlich. Riester wusste, wen er mit seiner Rente füttert, und Schröder/Fischer wussten, warum der Balkan mit Bomben zertrümmert werden muss. Wer von ihnen Selbstkritiken und Korrekturen erwartet, macht den Bock zum Gärtner. Und die Schafe schauen zu diesem Gärtner empor.«

Und jetzt geht es los:

»Gewinner und Verlierer«

»Rezo definiert arm und reich entlang der Vermögensverteilung. Bei dieser Betrachtung werden Altersvorsorgungsansprüche nicht mit einbezogen. Bei Berücksichtigung solcher Ansprüche reduziert sich die Ungleichheit deutlich.«

Nunja… was nützt mir der Anspruch, wenn ich morgen vom LkW überfahren werde? Was zählt, ist ja wohl, was ich (heute) in der Tasche habe und nicht, was mir für morgen versprochen wird, wie dem Esel ja auch nicht satter zumute wird, dem die Möhre vor der Nase hängt.

Was die CDU nicht versteht, ist, dass wir heutzutage leider nicht mehr ganz so blöd sind, wie sie hofft.

»Eine Vielzahl von Sozialleistungen sorgt dafür, dass vor allem Menschen mit keinem oder geringem Einkommen in Deutschland unterstützt werden. Mittlerweile gibt Deutschland jedes Jahr rund 1 Billion Euro für Sozialleistungen aus.«

Toll!

Wenn Ihr also sagt, ein Grundeinkommen in Höhe von 1.000 EUR sei nicht bezahlbar, dann lügt ihr, denn ihr habt ja das Geld, denn sonst könntet ihr ja keine Sozialleistungen in dieser Höhe bezahlen.

Positiver Nebeneffekt:
Wenn ihr ein Grundeinkommen zahlt, braucht ihr keine Bedürftigkeit mehr prüfen und könnt euch der Erreichung der Klimaschutzziele widmen und noch besser:
Sehr viele Menschen hätten dann Energie für solche Themen und würden auf Geldgier und Konsumrausch verzichten können und sich den wirklich relevanten Themen zuwenden und diese immense Energie würde dann helfen, auch mal tatsächlich eine Bewegung hin zu Gemeinwohl und weg von destruktivem Konsum zu starten.

Ab jetzt ist also schon mal das Argument vollkommen verbrannt, ein Grundeinkommen wäre nicht finanzierbar.
Ihr selbst habt es aus der Welt geschafft – und jetzt könnt ihr euch nicht mehr herausreden, Schäuble hätte sich damals vertan…

Dafür danke ich Euch herzlichst.

»Starke Schultern tragen weitaus mehr als schwache. Die oberen 10 Prozent der Einkommensteuerpflichtigen zahlen rund 55 Prozent der Einkommensteuer. Die unteren 50 Prozent der Einkommensteuerpflichtigen zahlen nur 6,4 Prozent der gesamten Einkommensteuer.«

Auch hier wieder… nunja…

Man kann das so argumentieren, aber man kann das auch ganz anders sehen. Wenn die Starken Schultern schon so stark sind, weshalb tragen sie dann nicht anteilig die selbe Last, wie die schwachen?

Es mag ja vielleicht sein, dass in absoluten Zahlen die oberen 10 % mehr Einkommensteuer bezahlen, als die unteren 55 %. Das zählt aber rein gar nichts, denn was zählt, ist der relative Betrag im Verhältnis zum Gesamteinkommen. Wenn man nämlich tatsächlich gerecht besteuern würde, sähe das noch sehr viel krasser aus und dann wäre noch mehr Geld für vernünftige Dinge vorhanden. Denn leider haben »die Reichen« zu viele »Steuervermeidungsmöglichkeiten«. Deshalb zahlen Sie relativ und am tatsächlichen Einkommen gemessen sehr viel weniger als »die Armen«. Da suggerieren die absoluten Zahlen eine Gerechtigkeit, die gar nicht vorhanden ist. Und ihr glaubt, wir wissen das nicht?!

»Nach Logik dieser Quote würde die Armut nur dann verschwinden, wenn jeder nahezu das gleiche Einkommen hätte – dann befänden wir uns im Sozialismus.«

Irgendwas habt ihr da nicht verstanden.

»Sozialismus« heißt nicht, »alle haben dasselbe«… Da gehört schon noch ein wenig mehr dazu. Ich glaube, mehr muss man hier nicht ausführen, aber ihr bestätigt hier sehr eindrucksvoll den Punkt »Inkompetenz«.

Jeder blamiert sich halt selbst, so gut er kann…

»Sinnvoller als solch statistische Betrachtungen erscheinen uns für die Bewertung der Entwicklung unseres Landes daher andere Faktoren. Etwa die Frage, was man „sich leisten kann“: 1960 musste man noch durchschnittlich 346 Stunden und 45 Minuten für einen (schwarzweiß) TV arbeiten. 2017 musste man nur noch 24 Stunden und 17 Minuten für einen (modernen 4K) TV arbeiten. Für einen Kühlschrank musste man 1960 noch 154 Stunden und 20 Minuten arbeiten, 2017 hingegen nur noch 31 Stunden und 15 Minuten. Für ein Kleid musste man 1960 noch 26 Stunden und 6 Minuten arbeiten, 2017 nur noch 5 Stunden und 9 Minuten.«

Kann man so sehen und daran ist erst einmal nichts wirklich falsch – aber leider nur, wenn man einen Statistikfetisch pflegt und zahlenhörig ist, aber seinen (gesunden) Menschenverstand irgendwo unterwegs verloren oder ganz absichtlich abgeschaltet hat. Denn was war denn die Folge dieser Entwicklung?

  • Wir flicken heute ein Kleid nicht mehr, wenn es einen Riss hat, sondern werfen es weg. Wer stopft heute noch Socken…?!
  • T-Shirts und immer mehr andere Kleidungsstücke werden inzwischen nicht einmal mehr gewaschen, sondern nach einmaligem Gebrauch weggeworfen.
  • TV-Geräte werden wenige Monate nach Ablauf der Garantiezeit nicht mehr repariert, weil es schlicht gar keine Ersatzteile gibt → wird weggeworfen.
  • Eine Reparatur eines Kühlschrankes kann sehr leicht mehr Arbeitslohnkosten verursachen, als ein neues Gerät kostet → wird weggeworfen…

Nur darauf zu schauen und es als Erfolg zu feiern, wir würden an Arbeitszeit gemessen heute viel mehr bekommen, ist eine verengte Sichtweise, die arglistig verschweigt, dass die Umweltschäden und der Gewinn der Unternehmensbesitzer in der gleichen Zeit noch sehr viel mehr gestiegen sind, als die prozentualen Kosten für Konsumgüter im Verhältnis zur dafür notwendigen Arbeitszeit.

»Heute können sich also sowohl der Hartz-IV-Empfänger als auch der Facharbeiter mehr leisten.«

Sicher ist das so – aber leider kann sich heute der Facharbeiter prozentual mehr »mehr leisten«, als der Zuwachs des sich-leisten-könnens beim Hartz-VI-Empfänger beträgt (der übrigens »ALG II-Empfänger« heißt).

Traurig, dass es in einer angeblichen »freiheitlichen Demokratie« überhaupt so etwas, wie Hartz-VI-Empfänger gibt… Aber was würdet ihr machen, wenn wir tatsächlich frei leben könnten… dann bräuchten wir euch vermutlich gar nicht – das ist euer eigentliches Problem.

»Und eine Anmerkung zur Zunahme von Erbschaften: Grund für stetig steigende Erbschaften ist, dass seit einiger Zeit die Erblasser aus der „Wirtschaftswunder“-Generation der Nachkriegszeit kommen.«

Toll!

Und was genau war nochmal der Grund, weshalb also diese nun deutlich gestiegenen (und weiter steigenden) Erbschaften nicht (hoch genug) besteuert werden?

Erbschaften sind Einkommen (etwas kommt herein, nämlich ein Wertzuwachs) – sie sollten exakt genau wie jedes andere Einkommen besteuert werden.

Über Ausnahmen für Gewerbebetriebe und selbstgenutztes Wohneigentum kann man ja diskutieren, aber das ändert nichts am Grundsatz.

»Statt „Zerstörung“ sehen wir weitere positive Entwicklungen:

  • Steigende Lebensqualität in Deutschland
  • Steigende Beschäftigungsquote bei Frauen
  • Wachsendes Bruttoinlandsprodukt
  • Steigende Tarif- und Bruttoverdienste
  • Steigende Nettoeinkommen
  • Steigende Renten«

Naja… Experten sagen, dass die Realeinkommen und die Renten gesunken sind – gemessen an der Kaufkraft und unter Berücksichtigung der Inflationsrate.

Das gestiegene und vielbeschworene »Bruttoinlandsprodukt« landet leider zu großen Teilen nicht beim »Volk«, sondern in den Taschen der »Finanzindustrie« und der Konzernlenker.

»Bildungspolitik«

»Deshalb setzen wir auf die frühkindliche Bildung als einen entscheidenden Faktor für mehr Bildungsgerechtigkeit.«

Wie war das vorhin mit dem »Sozialismus«, auf den immer so abwertend gezeigt wird?

Lasst die Kinder gefälligst Kinder sein!

Das Einzige, was ihr bezweckt, ist es, den Fabrikbesitzern Kanonenfutter zu liefern.
Oder schlimmer: Ihr wisst gar nicht, was ihr tut.

»Rezos in Prozenten angegebene Zahlen stimmen. Doch ein Blick auf die Gesamtbildungsausgaben eines Landes sind trügerisch, kommt es doch vielmehr darauf an, wie viel Geld bei jedem Einzelnen, der von einem Bildungssystem profitiert, ankommt.

Bezieht man die öffentlichen Bildungsausgaben auf die Anzahl der Bildungsteilnehmer allein im Schulbereich, zeigt sich (innerdeutsch): Die Bildungsausgaben pro Schüler stiegen seit 2009 von 5600 Euro auf 7100 Euro im Jahr 2016. Das entspricht einer Zunahme von 27 Prozent – klare Verbesserungen im Schulbereich wurden also realisiert.

Zudem müssen „jüngere“ Gesellschaften einen höheren Anteil ihrer Wirtschaftsleistung in Bildungs- und Qualifizierungsmaßnahmen ihrer Bevölkerung investieren als reifere bzw. „ältere“ Gesellschaften wie Deutschland. Hier macht sich im internationalen Vergleich schlicht die demografische Entwicklung Deutschlands bemerkbar.«

Nein, auch hier wieder zurechtgelegt, wie es euch passt, aber es taugt hinten und vorne nichts. Womit wir schon wieder bei der Inkompetenz wären…

Logik und Vernunft sollten euch leiten, aber davon seid ihr weit entfernt.

Wenn wir als Nation »alt« sind, ist es dann nicht umso wichtiger prozentual mehr Geld auszugeben und unsere Kinder besser auszubilden, wenn wir schon nur noch so wenige haben?

Die absoluten Zahlen interessieren nicht, sondern die Verhältnisse im Vergleich sind relevant. Aber nicht im Vergleich mit einer traurigen Vergangenheit, sondern das Hier und Heute muss man vergleichen mit den Verhältnissen in anderen Ländern und man muss vergleichen mit der Leistungsfähigkeit der Gesellschaft.

Ich redet doch an anderer Stelle immer so gern von Leistungsfähigkeit…! Warum nicht an dieser Stelle?

»Für die CDU ist wichtig, dass jeder Mensch seine Begabungen voll ausschöpfen kann.«

Dann repariert die kaputten Schulen!

Macht die geschlossenen Schulen in den kleineren Gemeinden wieder auf, damit die Kinder nicht längere Schulwege zurücklegen müssen, als die Erwachsenen zur Arbeit!

Gebt den Kindern gesundes und in den Schulen frisch zubereitetes Bio-Essen und karrt nicht in Plastik verpackten Industriefraß aus irgendwelchen anonymen Großküchen in die Schulen!

Gebt den Kindern kostenlose Schulmaterialien, lasst sie kostenlos in Bibliotheken, Museen und Zoos!

Lasst die Kinder kostenlos ÖPNV benutzen und hört auf, sie von Kontrolleuren drangsalieren zu lassen, wenn sie mal ihren Schülerausweis zu Hause haben liegenlassen – es ist doch zu sehen, dass sie Kinder sind und sie haben oftmals den Razen auf dem Rücken und werden dennoch erfasst und gemaßregelt und bloßgestellt!

Lehrt die Kinder Dinge, die für ihr Leben wichtig sind:

  • den Umgang mit Geld und weshalb Schulden eben gerade nicht gut, sondern schlecht sind,
  • was bei Verträgen wichtig ist und wie ich meine Rechte schütze und verteidige,
  • Datenschutzaufklärung geht vor Elektroniknutzung,
  • wie ernähre ich mich gesund und weshalb ist Soja, Palmöl und Massentierhaltung schlecht für uns… und vieles mehr,

nichts davon wird in Schulen gelehrt.

»Klimakrise«

»Deutschland muss mit gutem Beispiel vorangehen, doch alleine kann es das Klima nicht retten. Deutschland ist für 2,3 Prozent der weltweiten CO2-Emissionen verantwortlich, China für 28 Prozent und die USA für 15 Prozent. Das bedeutet: Wenn es Deutschland gelänge seine Emissionen innerhalb von acht Jahren linear auf null zu fahren und der Rest der Welt „Business as usual“ betriebe, würde sich der angesprochene Zeitpunkt, ab dem das 1,5 Grad-Ziel verfehlt wird, lediglich von Neujahr 2028 auf Anfang Februar 2028 verlagern. Das entbindet uns nicht von der Pflicht selbst etwas zu tun – zeigt aber umso mehr, dass alle mitmachen müssen.«

Deutschland sieht sich gern als »Technologieführer« und schrottet seine weltweit führende Solarzellenindustrie?

Deutschland sieht sich gern als »Technologieführer« und schafft es nicht vor 2038, auf Kohle zur Stromgewinnung zu verzichten?

Deutschland sieht sich gern als »Technologieführer« und schafft es nicht, einfach zu »machen« und Vorbild zu sein, um Anderen zu zeigen, dass es funktioniert – damit »die Anderen« sich nicht mehr herausreden können?

Der Erfinder Thomas Alva Edison (1847–1931) sagte bereits 1931 zu Henry Ford:

»Ich würde mein Geld auf die Sonne und Solarenergie setzen. Was für eine Kraftquelle! Ich hoffe, wir müssen nicht so lange warten bis Öl und Kohle ausgehen, bevor wir das in Angriff nehmen.«

Ihr schafft es, in einem Textabschnitt, ja quasi in einem Satz zu sagen: »Wir müssen »mit gutem Beispiel vorangehen«, aber machen gar nichts, weil unsere Arbeit zu geringe Wirkung hätte – sollen doch erstmal die Anderen mitmachen!« und wollt tatsächlich ernst genommen werden und sogar (wieder)gewählt werden?

»Weiterer Umstieg auf Erneuerbare kann nur dann gelingen, wenn Versorgungssicherheit erreicht werden kann. Und dafür braucht es Speicher, Netzausbau, räumliche Ausbaumöglichkeiten für die Erneuerbaren und Technologieoffenheit zur Emissionsvermeidung. Vieles davon wird durch Anwohner, aber auch durch Umweltschützer, gebremst. Seien es Klagen gegen Windkraftanlagen oder Trassenführung.«

Als Greenpeace gemeinsam mit Foron den weltweit ersten serienreifen FCKW-freien Kühlschrank vorstellte, hieß es, dass dieser nicht sicher sei und Explosionsgefahr bestünde. Ein Jahr danach hatten alle namhaften Hersteller FCKW-freie Kühlgeräte im Programm.

Als der Katalysator vorgestellt wurde, hieß es, den könne man nicht verkaufen, weil die Kunden es nicht abnähmen und weil er zu teuer sei und die Autos zu viel Leistung verlören – nachdem er gesetzlich vorgeschrieben wurde, hatten plötzlich alle einen.

Als beschlossen wurde, die Atomkraftwerke zu schließen, hieß es, wir säßen andauernd im Dunkeln – nichts ist passiert.

Als NARVA auf der Hannovermesse versuchte, einen Partner für die Glühlampe zu finden, die 10.000 Stunden Lebensdauer hat, stießen sie auf Ablehnung, es gäbe keinen Bedarf dafür.

Noch nie in der industrieellen Geschichte sind die Drohszenarien der Hersteller und Verkäufer wahr geworden, die sich einstellen sollten, wenn sie zu irgend etwas gesetzlich gezwungen würden.

Noch nie haben Hersteller und Verkäufer freiwillig Dinge mit deutlich und nachhaltig positiver Wirkung für das Gemeinwohl und/oder die Umwelt an ihren Produkten geändert. Ganz im Gegenteil: Im Zweifel wird gelogen und betrogen – vom Gammelfleisch bis zum Dieselskandal.

Vom schweizer Theologen und Schriftsteller Kurt Mati ist überliefert:

»Wo kämen wir hin, wenn jeder sagte: »Wo kämen wir hin?« und keiner ginge, um zu sehen, wohin wir kämen, wenn wir gingen.«

Aber Kurt Tucholsky merkte an:

»Im übrigen gilt ja hier derjenige, der auf den Schmutz hinweist, für viel gefährlicher als der, der den Schmutz macht…«

Und die Politik sperrt die Betrüger und Lügner nicht etwa ein – nein, es funktioniert alles ja leider nur dann gut, wenn die Ziegen und Böcke »auf freiwilliger Basis« darauf verzichten, die Salatköpfe im Garten zu fressen, statt sich mit dem Weidegras zu begnügen – die Gartentür wird nicht verschlossen, sondern man »vertraut darauf, dass aus den Folgen des jeweiligen Skandals die richtigen Schlüsse gezogen werden«.

Werden ja auch: die Politiker, die solche Dinge entscheiden, bekommen ordentliche Jobs mit ordentlicher Bezahlung, wenn sie genug Entscheidungen gegen ihr Wahlvolk getroffen haben.

»Zum Kohleausstieg gibt es Folgendes zu sagen: Für diesen Ausstieg aus dieser – in der Tat sehr klimaschädlichen – Art der Stromproduktion ist ein gesellschaftlicher Kompromiss nötig. Denn es geht nicht, wie in dem Film behauptet wird, „nur“ um 20.000 Arbeitsplätze. Mit allen neben den direkt im Kohlebergbau Beschäftigten gibt insgesamt rund 60.000 Jobs, die direkt abhängig von dieser Industrie sind. […]
Wir wollen die Klimaziele einhalten, wollen zugleich aber auch dafür sorgen, dass Energie für alle – auch Menschen mit geringem Einkommen – bezahlbar bleibt.«

Naja, vorher habt Ihr geschrieben, es sind eine Billion EUR im Sozialtopf – mit einem Grundeinkommen habt ihr keine Sorgen, dass die Leute, die »aus der Kohle aussteigen« (müssen), ohne Versorgung dastünden – und mit dieser Absicherung im Rücken können diese Menschen sich mit aller Kraft daran beteiligen, gute Energiespeicher zu finden und eine noch effektivere Energiegewinnung aus Sonnenkraft zu ermöglichen und die Kohlebrachen können mit diesen vielen Händen in fruchtbares Bio-Ackerland verwandelt und für Kinderspielplätze verwendet werden. Und ein paar haben dann vielleicht sogar Interesse daran (und dann auch überhaupt die Kraft dafür), sich mit Politik zu befassen und unsere »freiheitliche Demokratie« weiter zu verbessern, wie Ihr es Euch ja immer wieder selbst versichern müsst – und, wer weiß das schon so genau: Vielleicht springen ja sogar wieder ein paar neue CDU-Mitglieder dabei raus.

Für Jeden was dabei – ist das nicht toll?!

»Krieg und zerplatzte Menschen«

»Es ist gelungen, den Anführer der verantwortlichen Terrororganisation Bin Laden zu töten und bis auf den heutigen Tag zu verhindern, dass Afghanistan wieder als Rückzugs- und Ausbildungsort von Terroristen genutzt werden kann.«

Ich habe damals die Ereignisse quasi live miterlebt, wie viele andere Menschen auch.

Während ich meiner Arbeit nachging, konnte ich im Radio bereits eine halbe Stunde nach Einsturz der Türme hören, dass der Anschlag aus Richtung Al-Qaida kommen müsse und sehr bald darauf wurden die Pässe gefunden…

Seltsam nur, dass nie Prozesse stattfinden, wenn es tatsächlich wichtig ist – Osama bin Laden wurde nicht in die USA verbracht, sondern gezielt getötet.

1939 wurde eine kleine deutsche Spezialeinheit ausgeschickt, einen Anlass für den Einmarsch in Polen zu liefern.

In Lybien oder im Irak wurden niemals Massenvernichtungswaffen gefunden.

Die (angeblichen) Attentäter von Kennedy und Luther-King haben nicht lange genug überlebt, um ernsthaft befragt werden zu können.

Ein bekannter Spruch lautet: »Im Krieg stirbt die Wahrheit zuerst.«

Dieser Spruch ist grundfalsch, denn es muss korrekt heißen: »Die Wahrheit wird getötet, damit der Krieg stattfinden kann.«

»Drohneneinsätze sind nicht per se völkerrechtswidrig.«

Nur, weil es (noch) nicht als völkerrechtswidrig definiert und niedergeschrieben ist.

Aber von ihrer Natur her sind sie es, weil sie Menschen töten, ohne ihnen eine juristische oder tätliche Verteidigungsmöglichkeit zu lassen.

Auch der schlimmste Terrorist ist dennoch ein Mensch und hat ein Recht auf Verteidigung.

Wollen wir ein Rechtssystem verteidigen, das ganz offiziell mit zweierlei Maß misst?

Heute werden Leute als Terroristen bezeichnet, bei denen früher jeder ausgelacht worden wäre, der das behauptet hätte.

Menschen, mit denen man sich früher auseinandergesetzt hätte, werden heute entweder als Geisteskranke oder als Terroristen oder wenigstens als »Gefährder« weggesperrt oder einfach gleich per Mausklick beseitigt.

Mahatma Gandhi würde heute in Guantanamo sitzen oder hätte »was Schlechtes gegessen«…

Wir sind nur einen winzigen Schritt von Stalin, Pol Pot oder Himmler entfernt.

»Die US-Atombomben in Deutschland dienen der Glaubwürdigkeit der Abschreckung und sind Teil des transatlantischen Bündnisses, zu dem sich die CDU ausdrücklich bekennt.«

Aha – der kalte Krieg ist also nie zu Ende gewesen und die CDU arbeitet hart an seiner Aufrechterhaltung.

Zur Erinnerung:

»Die Wahrheit wird getötet, damit der Krieg stattfinden kann.«
(Detlef Jahn, 2019, Unruheraum.de)

Da ja die CDU und die CSU das »christlich« in ihrem Namen tragen und die wichtigen Leute ja gern betonen, wie wichtig ihnen die sogenannten »christlichen Werte« sind, trage ich mal ein Zitat aus der Bibel, also einem Hauptwerk, nein, dem Hauptwerk der Christenlehre vor, aus dem 2. Buch Mose 23 der Lutherbibel in der Übersetzung von 1984:
Unter der Überschrift »Gebote der Gerechtigkeit und Nächstenliebe« schreibt die Bibel – und nach meinem Verständnis sind Gebote Vorschriften, die keinen Ermessensspielraum lassen – Gebote sind keine Vorschläge… – die Bibel schreibt also verbindlich vor:

»Du sollst kein falsches Gerücht verbreiten; du sollst nicht einem Schuldigen Beistand leisten und kein falscher Zeuge sein.

Du sollst der Menge nicht auf dem Weg zum Bösen folgen und nicht so antworten vor Gericht, dass du der Menge nachgibst und vom Rechten abweichst.

Du sollst den Geringen nicht begünstigen in seiner Sache.

Wenn du dem Rind oder Esel deines Feindes begegnest, die sich verirrt haben, so sollst du sie ihm wieder zuführen.

Wenn du den Esel deines Widersachers unter seiner Last liegen siehst, so lass ihn ja nicht im Stich, sondern hilf mit ihm zusammen dem Tiere auf.

Du sollst das Recht deines Armen nicht beugen in seiner Sache.
[Elberfelder Bibel: „Du sollst das Recht eines Armen deines Volkes in seinem Rechtsstreit nicht beugen.“]

Halte dich ferne von einer Sache, bei der Lüge im Spiel ist. Den Unschuldigen und den, der im Recht ist, sollst du nicht töten; denn ich lasse den Schuldigen nicht Recht haben.

Du sollst dich nicht durch Geschenke bestechen lassen; denn Geschenke machen die Sehenden blind und verdrehen die Sache derer, die im Recht sind.

Die Fremdlinge sollt ihr nicht unterdrücken; denn ihr wisst um der Fremdlinge Herz, weil ihr auch Fremdlinge in Ägyptenland gewesen seid.«
(http://www.bibleserver.com/text/LUT/2.Mose23)

Also, ich finde das interessant, wie wenig die CDU/CSU-Leute von ihren eigenen Hausregeln halten.

Henner Reitmeiers Zitat vom Beginn dieses Beitrages ist keine neue Erkenntnis, denn bereits Franklin D. Roosevelt gab offenherzig zu:

»In der Politik geschieht nichts durch Zufall. Wenn etwas geschah, kann man sich sicher sein, dass es so geplant war.«

Und Montagu Collet Norman, Gouverneur der Bank of England von 1920-1944, geht bei einer Ansprache vor der Bankiersvereinigung in New York 1924 sogar noch einen Schritt weiter:

»Durch die Aufspaltung der Wähler in das politische Parteiensystem können wir sie dazu bringen, ihre Energie für Kämpfe über Fragen aufzubrauchen, die keinerlei Bedeutung haben…«

Von Berthold Brecht stammt:

»Wer die Wahrheit nicht weiß, der ist bloß ein Dummkopf. Aber wer sie weiß und sie eine Lüge nennt, der ist ein Verbrecher!«

Und immerhin einer der Urväter der unionsgeführten Gründerzeit unserer Republik, Ludwig Erhard, sagte:

»Wir sollten uns nicht so gebärden, als ob das Erkennen volkswirtschaftlicher Zusammenhänge nur den Gralshütern vorbehalten bliebe, die auf der einen Seite wissenschaftlich, auf der anderen Seite demagogisch ihre verhärteten Standpunkte vortragen. Nein, jeder Bürger unseres Staates muss um die wirtschaftlichen Zusammenhänge wissen und zu einem Urteil befähigt sein, denn es handelt sich hier um Fragen unserer politischen Ordnung, deren Stabilität zu sichern uns aufgegeben ist.«

Und zuletzt soll Greta Thunberg zu Wort kommen, weil sie sehr recht hat, wenn sie sagt:

»Menschen sagen immer wieder, dass wir Hoffnung brauchen, um zu überleben. Aber wir brauchen keine Hoffnung.
Was wir jetzt brauchen, sind Taten.
Erst, wenn wir anfangen, zu handeln, gibt es Hoffnung.«

Wählt grün, wählt links, wählt Abgeordnete, sie sich für ein bedingungsloses Grundeinkommen einsetzen – dann wählt ihr das kleinere Übel.

Und bis zur nächsten Wahl machen wir den Politikern Beine!

Viele Grüße
Detlef Jahn

[Update 28.5.2019: kleine Formulierungs-Präzisierungen und Korrekturen der Rechtschreibung – keine inhaltlichen Änderungen]

als Video:

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4 Gedanken zu „Die CDU antwortet Rezo“

  1. wunderbar wieder – sehe ich alles ebenso, hätte es wohl nur nicht so cool rüberbringen können. danke Detlef wieder für den tollen beitrag!
    vor allem auch das eingangs erwähnte zitat von H.Reitmeier kann ich nur voll unterstreichen: von den etablierten parteien im bundestag (oder gar in Brüssel) auch nur irgendwas postives für die bevölkerung zu erwarten (was nicht zumindest im einklang steht mit den machtinteressen der verborgenen elite) wäre grenzenlos naiv. schließlich haben die bekannten politdarsteller („politiker“ möchte ich diese figuren gar nicht erst nennen, denn das würde fälschlich suggerieren dass sie tatsächlich irgendwas eigenständiges leisteten) im wesentlichen die aufgabe das wahlvolk für dumm zu verkaufen und zugleich irgendwie bei der stange zu halten, und für diese zuarbeit für die wirklich mächtigen im hintergrund werden sie eben mit allerlei privilegien entlohnt – ab und zu tritt das dann später augenscheinlich zu tage. ich weiß nicht in wie weit ich leute von der „Linken“ da ausnehmen kann, angesichts von unter 10% stimmenanteil bundesweit spielt das im ganzen polittheater aber eh keine rolle.
    ob man da irgendwas machen/ändern kann (bevor eh alles zu spät ist und der von der NATO massiv vorangetriebene nächste weltkrieg über uns kommt)? vielleicht versuchen leute im persönlichen umfeld aufzuwecken? oder darauf vertrauen dass eine hand voll spiritueller leute weltweit durch gedankenkraft die selbsternannte verborgene elite von ihrem menschenhass heilen kann? naja wir werden sehen…

    1. Nun, ich folge dir insofern nicht, als ich die Politiker schon für wissend genug halte, dass sie keine wirklichen Marionetten sind, im Sinne von „denn Sie wissen nicht, was sie tun“ – nein, ich halte die Situation für schlimmer.
      Ich bin überzeugt, dass sie eben ganz genau wissen, was sie tun, also eher Verbrecher als Marionetten sind – siehe oben im Artikel das Berthold Brecht-Zitat…
      Wenn es tatsächlich so wäre, dass (mehrheitlich) die Unwissenden nach oben auf Entscheidungspositionen kommen, dann wären wir in einer ebenfalls schlimmen, aber leicht heilbaren Situation.
      Aber:
      »Entweder es herrscht Demokratie, oder sie herrscht nicht. Ihre größten Feinde sind jedoch unsere Verantwortungslosigkeit, Gleichgültigkeit und Resignation als Bürger.« (Vaclav Havel, tschechischer Schriftsteller, Bürgerrechtler und ehem. Präsident)

      1. ja ok, ich würde unsere politdarsteller auch nicht als dumm oder unwissend bezeichnen, sondern eben als korrupt und gewissenlos | wobei korrupt trifft es auch nicht richtig, denn der gedanke dass sie für das „rechte“ abstimmungsverhalten explizit bezahlt werden ist wohl von gestern | nach meinem eindruck ist es eher so, dass in den etablierten parteien auf unterer und mittlerer ebene schon ein gewisser selektionsprozess wirkt und folglich nur solche figuren überhaupt in verantwortliche führungspositionen kommen, die eben über genug gier und menschenverachtung verfügen um ihre spätere rolle als erfüllungsgehilfen der widerwärtigen finanzelite willfährig ausfüllen zu können | und „führungsrolle“ bezieht sich dabei nur auf den jeweiligen parteiapparat, darüber hinaus haben diese erbärmlichen figuren natürlich nichts zu entscheiden oder gar zu führen…
        insofern stimme ich dir zu und sehe die situation auch als eher schlimm und verbrecherisch | und falls bei meinen schreiben der eindruck entstehen sollte, dass ich über einen großteil unserer bekannten politdarsteller (namentlich jene in regierungsfunktion) eine ziemlich verächtliche meinung habe – dann ist dieser eindruck durchaus völlig korrekt!

        1. Ich glaube nicht, dass Gier und Menschenverachtung die überwiegenden Motivationen sind, wenn Menschen sich auf den Weg durch die Parteienmühlen begeben – allenfalls bei einer geringen Minderheit.
          Die Parteienmühlen fördern Menschen, bei denen eine bereits latent vorhandene Bereitschaft zum »nach-oben-Buckeln-und-nach-unten Treten« ans Licht gebracht und verstärkt wird.
          Man muss auch Menschen unterscheiden, die in politische Karrieren gestartet sind, ohne dass sie »recht wussten, wie ihnen geschah«, weil sie zu bestimmten Ereignissen »zur richtigen Zeit an der richtigen Stelle« waren und »etwas zu sagen« hatten, das relevant war.
          Und man muss zugestehen, dass es Menschen gibt, die in gutem Glauben und mit gutem Willen politische Karrieren aktiv beginnen, »um etwas zu verändern« – im für die Gemeinschaft positiven Sinne.
          Leider ist das System so gestrickt, dass sich alle Ecken und Kanten abschleifen, bis man tatsächlich an Entscheiderposition angekommen ist und deshalb dann nur wenig von den guten Vorsätzen und der Kampfkraft übrig bleibt und noch weniger vom Mut auch mal »gegen den Strom zu schwimmen«.
          Siehe auch mein Artikel mit der Überschrift »Parteien raus aus den Parlamenten!«

          Deshalb finde ich den Begriff »Politdarsteller« unpassend und respektlos der Mehrheit gegenüber, die mit ehrlicher Überzeugung losging, etwas zu verbessern. Es ist eine absichtlich-provokative Verunglimpfung, die in ihrer Pauschalität mehrheitlich Menschen herabwürdigt, denen damit ganz klar Unrecht getan wird. Sie stammt aus einer extremistischen Einstellung und Extremismus ist in den allermeisten Fällen einäugig und damit eindimensional fehlsichtig und führt nur sehr selten zu Verbesserungen.

          Jedes Volk hat die Regierung, die es verdient, denn → siehe Zitat Vaclav Havel

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